Blaues Band - Anpassung der Wasserstraßen

Aus KLIMASCOUT für Kommunen
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Für die Entwicklung der Fließgewässer haben sich in den letzten 15 Jahren die politschen, gesellschaftlichen und gesetzliche Rahmenbedingungen grundlegende geändert. Hierzu hat seit dem Jahr 2000 insbesondere die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Gemeinschaft (EG Wasserrahmenrichtlinie) beigetragen. Mit dieser Richtlinie ging eine Neuausrichtung im Gewässerschutz einher. Früher stand die Wasserqualität im Mittelpunkt. Heute hat man die Gewässer als Ganzes im Blick. Als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, auf die Ufer und seine Strukturen, die Auen, die Durchgängigkeit für die Fauna und die Intensität der verschiedenen Nutzungen der Gewässerlandschaften.

Die Bundesregierung hat 2009 zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz einen Auenzustandsbericht vorgestellt und damit den Verlust von Überschwemmungsflächen und den Zustand der Flussauen in Deutschland dokumentiert.

Aus dem Ergebnis liest sich, dass nur noch rund ein Drittel der ehemaligen Überschwemmungsflächen von Flüssen bei großen Hochwasserereignissen überflutet werden können. An Rhein, Elbe, Donau und Oder sind an vielen Abschnitten gerade noch zehn bis 20 Prozent der ehemaligen Auen für Überflutungen verfügbar sind.

Um hier für Abhilfe zu sorgen, wurde das Bundeprogramm "Blaues Band" verabschiedet, mit dem die Renaturierung von Fließgewässern und Auen auf Bundesebene in Angriff genommen werden soll.

Mit der Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung wird es ein fast 2.800 km langes Nebennetz von Wasserstraßen geben, das nicht mehr für den Gütertransport gebraucht wird. Es bietet sich also an, sie für die Renaturierung weiterzuentwickeln. Es sollen aber auch im Kernnetz der Bundeswasserstraßen Renaturierungsprojekte verwirklicht werden.

Bund und Länder haben nach den verhererenden Hochwasserereignissen 2013 das Nationale Hochwasserschutzprogramm erarbeitet. Ziel des Programms ist es, den Flüssen mehr Raum zu geben. Das Programm soll jährlich fortgeschieben werden.

Es sprechen viele Gründe dafür, dass wir uns intensiver um unsere Gewässer kümmern und alles daran setzen, ihren ökologischen Zustand verbessern. Unsere naturnahen Auenlandschaften sind Zentren der biologischen Vielfalt, bilden die Grundlage für den vorsorgenden Hochwasserschutz und sind Anziehungspunkte für Naturerleben und Naherholung. Dieses Naturkapital gilt es zu erhalten als s. g. "Grüne Infrastruktur" für heutige und künftige Generationen erhalten und entwickeln.

Naturnahe Flussauen mit ihrer beeindruckenden Vielfalt an Lebensräumen sind die Lebensadern unserer Landschaft. Hier finden sich in unmittelbarer Nachbarschaft Flussarme und Altewasser, Tümpel, urwaldartige Auenwälder, Feuchtwiesen, trockene Sandufer und Kiesinseln. Nass und trocken - diese Extreme im Rhythmus von Hoch- und Niederigwasser der Flüsse bieten vielen Pflanzen und Tieren, die an diese Bedingungen angepasst sind, ein Zuhause.

Auen übernehmen viele wichtige Funktionen für die Gesellschaft. Bei Hochwasser können unbebaute Auen große Wassermassen aufnehmen und so Siedlungen vor Hochwasser schützen. Wenn in den Flusstälern Wiesen und Moore wiedervernässt werden, tragen Gewässerlandschaften zur Minderung von Treibhausgasen bei und wirken so dem Klimawandel entgegen. Auch die Wasserreinigung ist eine Leistung intakter Gewässer und Auen, von der wir täglich profitieren.


Zurück zu naturnahen Auen

Die heutigen Flusslandschaften sind Schwerpunkte der Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung und durch verschiedene menschliche Nutzungen geprägt. Traditionelle Landnutzungen waren an die Gegebenheiten der Auenflächen angepasst. Überflutungen, sowie in bergrenztem Maße dynamische Prozesse wie Uferabbrüche und Sedimentumlagerungen konnten noch stattfinden. Lange Zeit haben auch die an den Standort angepassten Nutzungen die natürliche Lebensraumvielfalt der Auen bereichert.

Seit dem 19. Jahrhundert wurden Flüsse auf tausenden Kilometern Länge begradigt, vertieft und ihre Ufer befestigt. Ein Großteil der Auen wurde durch Deiche und Dämme von den Flüssen abgeschnitten, landwirtschaftlich intensiv genutzt und besiedelt. Mit dem fortschreitenden technischen Gewässerausbau und der zunehmenden landwirtschaftlichen Intensivierung durch verstärkte Düngung und häufigere Mahd ab den 1950er Jahren sowie durch die Umwandlung von Grünland zu Äckern verloren die Auenlandschaften nicht nur ihr typisches Gesicht, sondern auch wichtige ökologische und gesellschaftliche Funktionen.

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